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Fettabsaugung bei Lipödem

Medizinisch fachgerechte Informationen in allgemein verständlicher Form

Wir laden sie ein zum nächsten Thementag - Fettabsaugung bei Lipödem - Samstag, 22. August 2020 Termine ab 10 Uhr

Von einem Lipödem betroffene Frauen leiden körperlich und seelisch unter ihrer Erkrankung, haben aber verständlicherweise auch Angst vor einem operativen Eingriff. Sie wissen nicht, wie riskant dieser ist und welche Verbesserung auf diesem Weg tatsächlich erzielt werden kann.

Ärztliche Beratungen, Online-Informationen und Medienberichte sind oft nicht hilfreich, da die Empfehlungen voneinander abweichen und in vielen Fällen sehr oberflächlich sind. In den Ausführungen der zahlreichen Anbieter von Fettabsaugungen wird üblicherweise das jeweils angewendete Verfahren favorisiert und - von eigenem Geschäftsinteresse geprägt - als besonders effektiv, schonend und risikoarm angepriesen.

Wenn eine von einem Lipödem betroffene Frau eine operative Behandlung erwägt, sollte sie umfassend und medizinisch fachgerecht informiert sein. Nur dann wird sie den für sie richtigen Behandlungsweg wählen und den dafür geeigneten Arzt finden.

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Die Erkrankung Lipödem

Das Lipödem ist eine krankhafte Fettverteilungsstörung, die zu einer starken Fettvermehrung an den unteren Extremitäten und somit zu überproportional dicken Beinen führt. Die atypischen, grundsätzlich symmetrischen Fettansammlungen können auch an den Hüften, am Po und an den Armen auftreten. Betroffen sind fast ausschließlich Frauen. Die Ursachen des Lipödems sind bisher weitgehend unbekannt. Hormonelle Veränderungen scheinen diesbezüglich eine Rolle zu spielen. Eine familiäre Häufigkeit wurde festgestellt.

Obwohl primär keine Schädigung des Lymphsystems vorliegt, geht die Krankheit mit einer vermehrten Einlagerung von Flüssigkeit im Fettgewebe einher. Die Ödemneigung verursacht ernsthafte Beschwerden wie Druck- und Spannungsschmerzen.

Die konservativen Therapiemöglichkeiten bei einem Lipödem umfassen manuelle Lymphdrainage, Kompression und Bewegungstherapie. Sie dienen nur der Linderung dieser Beschwerden. Die bestehende Fettvermehrung kann ausschließlich operativ mithilfe der Fettabsaugung reduziert werden. Die Entscheidung „ob und wann“ trifft allein die Betroffene. Der medizinische Fachbegriff für die Fettabsaugung lautet Liposuktion.

Welche Verbesserungen kann man bei einem Lipödem mithilfe der Fettabsaugung erzielen?

Die nachhaltige Normalisierung der unproportionierten Körperform mithilfe der Fettabsaugung stellt ein wesentliches Behandlungsziel dar. Die Verbesserung des Körperbildes bewirkt bei Frauen mit einem Lipödem eine erhebliche Steigerung des Selbstbewusstseins. Insofern entspricht dieses Behandlungsziel weniger einer ästhetischen, sondern vielmehr einer psychomedizinischen Indikation.

In ihrer S1-Leitlinie von 2015 formuliert die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie weitere medizinische Indikationen für die Fettabsaugung bei Lipödem:

  • Schmerzen und Ödeme trotz konservativer Therapiemaßnahmen
  • Zunahme des Unterhautfettvolumens trotz konservativer Therapiemaßnahmen

Das Aspirationsverfahren ist eine minimal-invasive chirurgische Methode, um die krankhafte Vermehrung von Fettzellen und Blutkapillaren im Lipödem erheblich zu vermindern. Ödeme und Schmerzen sowie die Neigung zu Blutergüssen gehen fast vollständig zurück. Die Liposuktion führt zu ausgeprägten Verbesserungen von Spontanschmerz, Druckschmerz, Ödem und Hämatomneigung . Der Unterschied zwischen dem präoperativen und dem postoperativen Befund ist signifikant, wie die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie in ihrer Expertise feststellt. Ferner verweist die Fachgesellschaft darauf, dass bei operativ therapierten Frauen mit Lipödem konservative Therapiemaßnahmen im weiteren Verlauf reduziert bzw. sogar ganz eingestellt werden können.

Ausgeprägte Fettansammlungen an der Innenseite der Beine bei einem sehr fortgeschrittenen Lipödem können chronische Hautläsionen durch Aneinanderreiben verursachen. Derartige Fettwülste bewirken nicht selten sogar eine Fehlstellung der Beine und ein gestörtes Gangbild. Auch diese ernsthaften Folgen eines schweren Lipödems lassen sich durch Fettabsaugung korrigieren.

Alles in allem ist die Fettabsaugung bei Lipödem ein sehr effizienter Eingriff, um die Schmerzhaftigkeit und Schwellneigung zu verringern, dermatologische oder orthopädische Folgeerkrankungen zu vermeiden, ggf. zu behandeln sowie das Aussehen und die Lebensqualität erheblich zu verbessern.

Das grundlegende Prinzip der Fettsabsaugung

Infiltration von Quellmittel
Infiltrationslösung zur Lockerung des Gewebes vor der Liposuktion

Die Fettabsaugung ist heutzutage in geübter Hand ein Routineeingriff. Vor der eigentlichen Liposuktion wird eine Lösung als Quellmittel in die Fettansammlungen infiltriert, um das Gewebe aufzulockern. Der Zusatz eines gefäßverengenden Wirkstoffs zur Infiltrationslösung vermindert die Durchblutung im abzusaugenden Gebiet. Nach einer Einwirkzeit werden dann über kleine Stichinzisionen feine Kanülen eingeführt und überschüssiges Fettgewebe abgesaugt.

Mit der Absaugung der Fettzellen entsteht im Körper eine Wunde. Durch die medikamentöse Engstellung der Blutgefäße lassen sich aber Einblutungen im OP-Gebiet sehr geringhalten. Die abgesaugten Gebiete ziehen sich im Zuge der Heilung zusammen und die Haut strafft sich. Die grundsätzliche Technik bei der Fettabsaugung ist stets gleich. Dem Operateur stehen aber unterschiedliche Varianten zur Verfügung.

Im Marketing gegenüber den ärztlichen Nutzern behaupten alle Anbieter der technischen Ausrüstungen für die Liposuktion, über das beste Equipment nach dem neuesten Stand der Entwicklung und Erprobung zu verfügen. Gleichermaßen vermarkten viele Ärzte, die Fettabsaugungen vornehmen, ihre methodischen Variante mit der werberischen Aussage, die effektivste und schonendste Technik anzuwenden. Wer erwägt, sich einer Fettabsaugung zu unterziehen, empfindet die Vielfalt der angebotenen Methoden verwirrend und verunsichernd. Die methodischen Varianten der Fettabsaugung weisen große Unterschiede in Bezug auf technischen Aufwand und Dauer des Eingriffs, Nebenwirkungen und Ausmaß der Gewebeschädigung auf.

In Bezug auf das Betäubungsverfahren werden nicht selten Sicherheitsstandards ignoriert: Eine übermäßige Gabe von Lokalanästhetika kann zu ernsten Komplikationen führen. Nur wenn sich die abzusaugende Fettmenge in Grenzen hält, ist ein Eingriff in örtlicher Betäubung, ggf. mit Dämmerschlaf und ambulant vertretbar.

Der ärztlichen Entscheidung, ob auf eine Allgemeinnarkose verzichtet werden kann, müssen Sicherheitsstandards zu Grunde gelegt werden. Bedauerlicherweise ist dies oft nicht der Fall.

Tatsächlich kann man mit jeder Methode ein gutes Ergebnis erzielen. Entscheidend ist, dass der Operateur über eine umfassende Erfahrung verfügt, die jeweiligen Vorteile und Nachteile der applizierten Methode genau kennt und diese Kenntnis beim Eingriff berücksichtigt. Für die Patientinnen ist Folgendes wichtig:

  • Die angestrebte Fettmenge wird komplikationsfrei abgesaugt
  • Der Eingriff hinterlässt kaum Spuren wie Dellen oder Asymmetrien

Besondere Anforderungen an die Fettabsaugung bei Lipödem

Eigentlich erfordert jede Fettabsaugung eine umfassende Erfahrung vom Operateur: Da das methodische Prinzip aber sehr einfach anmutet und die Honorareinnahme attraktiv ist, bieten zahlreiche Ärzte sehr unterschiedlicher Fachgebiete Liposuktionen an, dies nicht selten in bagatellisierender Weise als kosmetische Blitzkorrektur. Unter den unzähligen Ärzten, die Fettabsaugungen durchführen, machen aber die wirklich erfahrenen Operateure nur einen sehr kleinen Anteil aus. Eine Fettabsaugung bei Lipödem stellt an den Operateur besonders hohe Ansprüche. Entsprechend „wird die Luft äußerst dünn“, wenn man auf diesem Fachgebiet einen wirklich erfahrenen Arzt sucht.

1. Sorgfältige, patientenangepasste Planung

Über das manuelle Geschick des Operateurs hinaus ist es von großer Bedeutung, dass das operative Vorgehen in jedem Einzelfall anhand der individuellen Befunde und den Zielvorstellungen der Patientin konzipiert wird.

Das abzusaugende Fettvolumen wird von der Körperregion und dem jeweiligen Befund bestimmt. Abhängig von Lokalisation und Ausprägung des Lipödems kann man sowohl mit größeren als auch mit kleineren Absaugmengen sehr gute Resultate erzielen. Eine Absaugung an den Oberschenkeln ist natürlich „ergiebiger“ als eine an den Oberarmen.

Die Belastungen für den Organismus korrelieren mit dem Absaugvolumen. Es gilt eine Fünf-Liter-Obergrenze, um einen Eingriff risikoarm zu gestalten. Die Planung größerer Fettreduktionen muss in mehrere Schritte aufgeteilt werden.

Fettabsaugungen an verschiedenen Körperregionen können in einem Abstand von sechs bis acht Wochen erfolgen. Wenn man die Fettreduktion an derselben Körperregion optimieren will, ist die nachfolgende Fettabsaugung erst nach etwa zwölf Monaten möglich.

2. Professionelle Operationshygiene

Um eine professionelle Operationshygiene zu gewährleisten, sollte der Eingriff grundsätzlich in einem Operationsraum einer Klinik unter standardisierten und regelmäßig überprüften sterilen Bedingungen stattfinden.

3. Beachtung der Anatomie der Gefäß- und Nervenbahnen

Eine fachgerecht durchgeführte Fettabsaugung bei Lipödem setzt eine detaillierte Kenntnis des Operateurs von der Anatomie der Gefäß- und Nervenbahnen an Beinen und Armen, insbesondere des Lymphgefäßsystems, voraus. Bei der Absaugrichtung muss der Verlauf dieser Strukturen beachtet werden.

4. Fettreduktion plus ästhetische Konturverbesserung

Eine operative Lipödem-Behandlung sollte nicht nur unter medizinischen, sondern auch ästhetischen Gesichtspunkten konzipiert und ausgeführt werden. Die reine Reduktion des krankhaften Gewebes allein ist für ein ästhetisch gutes Ergebnis nicht ausreichend. Der Operateur muss mit sehr viel Fingerspitzengefühl durch die Haut ertasten können, wo und wie viel Fettgewebe zu entfernen oder zu erhalten ist. Fehlen eine solche technische Fertigkeit und ein besonderes räumliches Vorstellungsvermögen beim Operateur, bleiben unschöne Dellen und narbig verhärtete Areale zurück.

5. Patientensicherheit und -komfort durch Hinzuziehung eines Anästhesisten

Ungeachtet der Betäubungsform ist ein Anästhesist beim Eingriff hinzuziehen, der für die Sicherheit und den Komfort des Patienten Sorge trägt, so auch bei Tumeszenz-Lokalanästhesie. Eine Fettabsaugung bei Lipödem erfordert eine professionelle Kreislaufkontrolle und -stabilisierung, denn ein Teil der infiltrierten Lösung kann in den Kreislauf gelangen und diesen belasten. Darüber hinaus muss die Absaugung größerer Mengen an Fett durch ein adäquates Infusionsmanagement kompensiert werden.

Viele Operateure bevorzugen eine Allgemeinnarkose, um nicht durch die zulässige Höchstdosierung des örtlichen Betäubungsmittels im operativen Vorgehen eingeschränkt zu sein. Bei einer Allgemeinnarkose wird nahezu kein Lokalanästhetikum benötigt und der Operateur kann viel mehr Fett im Rahmen eines einzelnen Eingriffs absaugen.

6. Eintägige stationäre Behandlung

Laut GÄCD-Leitlinien zur Liposuktion ist eine stationäre Nachbetreuung von einem Tag ab einer Absaugmenge von zwei Litern erforderlich. Folglich besteht nach der Fettabsaugung bei Lipödem, die überwiegend zu großen Absaugvolumina führt, die medizinische Notwendigkeit für eine kurzstationäre Behandlung.

Grundsätzlich gilt: In geübter Hand sowie bei guter Planung und besonnener Durchführung ist die Fettabsaugung bei Lipödem eine äußerst effektive und auch sichere Operationsmethode.

Methodische Variante in Bezug auf Infiltration:
Tumeszenz-Lokalanästhesie (TLA)

Tumeszenz-Lokalanästhesie ist eine Regionalanästhesie der Haut und des Fettgewebes. Bei Tumeszenz-Lokalanästhesie werden große Mengen an Flüssigkeit mit einem örtlichen Betäubungsmittel angereichert und in den Zielbereich geleitet. Die großflächige Lokalanästhesie ersetzt eine Vollnarkose. Der Wirkstoff Lidocain ist das am häufigsten verwendete Lokalanästhetikum.

Bezeichnungen wie Tumeszenz-Methode und Tumeszenz-Technik sind irreführend, weil Tumeszenz keine Operationsmethode ist. Der Begriff sagt lediglich etwas über die Infiltrationsmenge aus und leitet sich vom Lateinischen tumescere (anschwellen) ab. Bei Tumeszenz wird so viel Flüssigkeit in die abzusaugende Region gepumpt, bis eine vollständige Gewebesättigung erreicht ist und das Gewebe keine weitere Flüssigkeit mehr aufnehmen kann. Der Operationsbereich ist als Folge der maximalen Aufquellung prall angeschwollen.

Vor einer unkritischen Anwendung der Tumeszenz-Lokalanästhesie bei Liposuktion muss gewarnt werden, insbesondere wenn der Eingriff ambulant erfolgen soll

1. Ernstzunehmende Nebenwirkungen der Lokalanästhetika

Fettabsaugungen in Tumeszenz-Lokalanästhesie können durch zu hohe Dosierungen von Lokalanästhetika zu Komplikationen führen. Bei einer großflächigen Fettabsaugung, wie sie bei einem Lipödem indiziert ist, sind beträchtliche, äußerst belastende Mengen von Lokalanästhetika zur örtlichen Betäubung des Fettgewebes notwendig. Die in den Anwendungshinweisen vorgegebene Maximaldosis des örtlichen Betäubungsmittels wird um ein Vielfaches überschritten. Studien, welche die Unbedenklichkeit dieser Überschreitungen belegen, liegen nicht vor. Die Sicherheit der Tumeszenz-Lokalanästhesie bei Liposuktion wird in zahlreichen medizinisch-wissenschaftlichen Publikationen diskutiert und ist umstritten. Die Autoren kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Schwerwiegende Risiken der Überdosierung sind Herzrhythmusstörungen und neurologische Symptome wie Schwindel, Sehstörungen, Tremor, Krämpfe, Somnolenz.

2. Unzureichende Sicherheit des Verfahrens bei ambulanter Durchführung

Besonders problematisch ist der Sachverhalt, dass die Intoxikationsgefahr für viele Stunden über den Eingriff hinaus besteht. Erst wenn die Wirkung des gefäßverengenden Wirkstoffs abklingt, gelangt das örtliche Betäubungsmittel vollends in den Blutkreislauf. Die höchste Konzentration im Blutserum entwickelt sich häufig erst zwölf Stunden und mehr nach der OP. In dieser kritischen Phase ist der Patient sogar einer besonders hohen Intoxikationsgefahr ausgesetzt.

Deshalb ist dringend anzuraten, größere Eingriffe in Tumeszenz-Lokalanästhesie nicht ambulant vorzunehmen. Der zeitliche Verlauf der Lokalanästhetikum-Konzentrationen macht eine längere Überwachung des Patienten notwendig, um bei möglichen Komplikationen eine frühestmögliche Therapie zu sichern.

Es ist nicht nachvollziehbar, dass größere Fettabsaugungen in Tumeszenz-Lokalanästhesie vielerorts ambulant durchgeführt werden. So sind viele Patienten bereits zuhause, wenn bei ihnen noch das Risiko einer bedrohlich hohen systemischen Lokalanästhetikum-Konzentration besteht.

3. Risiken aus der systemischen Flüssigskeitsüberladung

Im Vergleich zu anderen methodischen Varianten wird bei einer Liposuktion in Tumeszenz-Lokalanästhesie mit weitaus größeren Flüssigkeitsmengen arbeitet. Das Verhältnis von Infiltrationsmenge zu abzusaugendem Fettgewebe beträgt bei der Tumeszenz-Methode bis zu 3:1. Es sind in der medizinischen Fachliteratur keine pharmakologischen Untersuchungen zur subkutanen Applikation von solch großen Mengen an Flüssigkeit, die oft sechs und mehr Liter umfassen, zu finden. Große kontrollierte Studien fehlen bislang.

4. Geringere Präzision bei der Konturierung

In dem extrem aufgeschwemmten Fettgewebe ist es für den Operateur schwieriger, während des Absaugverfahrens neue Proportionen und Konturen zu festzulegen. Darüber hinaus hat der Patient keine Vollnarkose, so dass der Operateur sich nicht allein auf den Eingriff konzentrieren kann und die Verfassung des Patienten im Auge haben muss. Nachkorrekturen werden häufiger nötig.

5. Zu lange OP-Zeiten

Die ohnehin sehr großen Mengen an Tumeszenzlösung dürfen nur mit geringer Geschwindigkeit infiltriert werden, um die systemische Anflutung des überdosierten Lokalanästhetikums und dessen systemische Toxizität zu minimieren. Die überlange Infiltrationsphase in Verbindung mit einem verzögerten Eintritt der örtlichen Betäubung nimmt extrem viel Zeit in Anspruch. Die Technik der Tumeszenz-Lokalanästhesie ist deutlich zeitaufwendiger als ein Vorgehen in Vollnarkose.

6. Schlechterer Patientenkomfort

Nicht jede Patientin möchte den Operationshergang miterleben. Die mehrstündige Operationsdauer, möglicherweise mit unplanmäßiger Verlängerung, ist psychisch und auch physisch durch langes unbequemes Liegen belastend. Dabei befindet sich die Patientin in einem unangenehm nassen Operationsbereich.

Psychisch labile Patientinnen und solche mit übersteigerter Angst vor Nadeln und Injektionen eignen sich prinzipiell nicht für die Tumeszenz-Lokalanästhesie.

7. Verstärktes Auslaufen von Flüssigkeit nach dem Eingriff

Bei allen methodischen Varianten entweicht in den ersten Stunden nach der Fettabsaugung restliche Infiltrationslösung zusammen mit Wundflüssigkeit aus den kleinen Einstichstellen. Die übergroße Flüssigkeitsmenge bei der Tumeszenz-Lokalanästhesie führt zu einem unangenehm starken Auslaufen von Flüssigkeit bis zu drei und mehr Tagen bei dieser Methode. In dieser Zeit werden Bekleidung, Fußböden, Bettwäsche, Matratzen u.a.m. eingenässt.

Methodische Variante in Bezug auf Infiltration:
Supernass-Methode

Die Supernass-Methode der Fettabsaugung findet unter Vollnarkose statt und ist bestens für die Entfernung großer Fettmengen geeignet. Hier wird viel weniger Flüssigkeit in das betroffene Gewebe gespritzt. Das Verhältnis von Flüssigkeit zu abzusaugendem Fett beträgt hier 1:1, während bei der Tumeszenz-Methode die dreifache Menge Flüssigkeit im Verhältnis zum abzusaugenden Fett injiziert wird.

Die Gefahren aus den kritischen Dosierungen von Lokalanästhetika sind ausgeschlossen. Kreislaufprobleme aus Flüssigkeitsüberladungen treten nicht auf. Überlange OP-Zeiten werden weitestgehend vermieden.

Da für diese Methode viel weniger Infiltrationslösung benötigt wird, schwemmt das Gewebe wesentlich weniger auf. Dadurch kann der Operateur seine Arbeit bereits während des Eingriffs besser überprüfen. Unebenheiten können weitgehend vermieden werden und die Notwendigkeit von Nachkorrekturen sinkt.

Methodische Variante in Bezug auf Liposuktion: Konventionelle Liposuktion

Beider konventionellen (oder klassischen) Liposuktion werden durch kleine Stichinzisionen feine Metallkanülen eingeführt. Die Fettentfernung erfolgt durch den manuellen Einsatz des Operateurs in Kombination mit dem Absaugvakuum.

Methodische Variante in Bezug auf Liposuktion:
Vibrations-assistierte Liposuktion (VAL, PAL)

Die Vibrationsmethode (VAL bzw. PAL für Power- Assisted Liposuction ) wird auch Rütteltechnik genannt. Ein elektrisch angetriebenes Handstück versetzt die Absaugkanüle in sehr feine Schwingungen. Während das herkömmliche Verfahren zur Fettabsaugung auf den rhythmischen Bewegungen des Operateurs beruht, vibriert die Kanüle bei dieser Technik elektronisch bis zu 80 Mal pro Sekunde. Der Operateur muss weniger manuellen Einsatz leisten. Die Anwendung dieser Absaugtechnik ist weniger anstrengend, was die Beliebtheit dieser Methode erklärt.

Der wesentliche Nachteil dieser Methode ist, dass dem Operateur durch die eigenständigen Vibrationen der Kanüle das haptische Feedback aus dem Gewebe fehlt. Aufgrund der Vibration lässt sich schwieriger feststellen, ob ein Widerstand getroffen wurde. Dies kann zum Beispiel Muskelgewebe sein, das bei der Fettabsaugung nicht in Mitleidenschaft gezogen werden sollte. Wenn die Vibrationskanüle nicht gut positioniert wird, besteht eine höhere Verletzungsgefahr umliegender Strukturen als beim klassischen Vorgehen.

Ein weiterer Nachteil dieser Technik ist, dass die verwendeten Kanülen relativ dick sind. Das Vibrationsmethode ist auch nicht für alle Körperareale gleich gut geeignet.

Methodische Variante in Bezug auf Infiltration + Liposuktion:
Wasserstrahl-assistierte Liposuktion (WAL)

Beider Wasserstrahl-assistierten Liposuktion (WAL) wird die Infiltrationslösung mit Hochdruck in gepulster Form in das Fettgewebe gespritzt. Gleichzeitig werden durch einen zweiten Kanal Fett und infiltrierte Flüssigkeit. Infiltration und Fettabsaugung laufen also parallel ab.

Verlässliche wissenschaftliche Publikationen darüber, in welchem Ausmaß Gefäße, Nerven undBindegewebe durch den Hochdruck der Wasserstrahl-assistierten Liposuktion geschädigt werden, liegen bislang nicht vor.

Methodische Variante in Bezug auf Liposuktion:
Ultraschall-unterstützte Liposuktion (UAL, XUAL, VASER)

Bei der UAL-Methode werden von der Spitze einer Ultraschall-Sonde Wellen ausgesendet. Die Ultraschall-Energie bringt die Fettzellen zum Platzen und das verflüssigte Fett wird danach mit einer herkömmlichen Absaugkanüle entfernt. Vom Prinzip her sollen nur die Fettzellen zerstört und das übrige Gewebe vollständig geschont werden. Tatsächlich können die Wellen des Ultraschalls aber auch Blut- und Lymphgefäße, Nerven und Bindegewebe thermisch schädigen. Die Gefahr von Kollateralschäden ist hier höher als bei den anderen Methoden.

Die OP-Dauer ist gegenüber der konventionellen Methode stark verlängert

Die Proportionen sind wie bei der Tumeszenz-Lokalanästhesie schwieriger zu beurteilen. Denn es muss übermäßig viel Infiltrationslösung verwendet werden,damit der Ultraschall wirken kann. Naturgemäß gelangt ein gewisser Teil dieser Flüssigkeit durch Resorption in den Kreislauf, der diesen plötzlichen Volumenzuwachs verkraften muss. Der Operateur muss mit einem erheblich größeren Absauginstrument und folglich mit größeren Inzisionen (Schnitten) arbeiten. Es bleiben sichtbare Narben zurück.

Der bei weitem größte Nachteil der Ultraschall-Liposuktion ist, dass Wärme im Spitzenbereich der Sonde freigesetzt wird. Deshalb muss die Ultraschall-Sonde ständig bewegt und die Temperatur im Gewebe engmaschig kontrolliert werden. Unerwünschte Verbrennungen treten nicht selten auf.

Die Externe Ultraschall-Liposuktion (XUAL) stellt eine Weiterentwicklung der Ultraschall-Methode dar. Zunächst wird über der zu abzusaugenden Region eine Metallfolie auf der Haut platziert und dann die Ultraschall-Energie durch die Haut in das Fettgewebe übertragen. Vorher wird die Körperregion mit der Infiltrationslösung in den Quellzustand versetzt. Danach folgt in einem dritten Gang die Fettabsaugung mittels konventioneller Methode.

Abweichend von der UAL mit der gebündelten Wärmefreisetzung am Kopf der eingeführten Ultraschall-Sonde ist die Energieverteilung bei der XUAL großflächig. Innere Verbrennungen können besser vermieden werden. Die XUAL verbessert aber nicht das Ergebnis der Fettabsaugung und die anderen Nachteile der Ultraschall-Methode bleiben bestehen.

Auch die Vaser -Technologie ist aus der UAL-Methode hervorgegangen. Der grundlegende Unterschied liegt in der Besonderheit der Sonde, die wie bei der UAL von innen auf das Fettgewebe einwirkt. Die Ultraschall-Energie wird aber großflächig und nicht nur im Spitzenbereich abgegeben. Dadurch ist die Wärmeentwicklung geringer, was wiederum die Verbrennungsgefahr herabsetzt. Die anderen methodischen Merkmale bleiben gleich: Wie bei der UAL muss vor der Anwendung des Ultraschalls mit derInfiltrationslösung ein Tumeszenz-Status erreicht werden. Die Absaugung ist wiederum ein dritter Arbeitsgang. Die OP-Zeiten sind übermäßig lang.

MethodischeVariante in Bezug auf Liposuktion:
Laser-assistierte Liposuktion (LAL)

Bei der Laser-assistierten Liposuktion wird eine fiber-optische Kanüle in die Fettschicht eingebracht. An der Spitze wird ein Laserstrahl emittiert, dessen Energie die Fettzellen zerplatzen lässt. Zur Orientierung steht dem Operateur ein Leitstrahl zur Verfügung, dessen Licht durch die Haut ausgemacht werden kann. Zum Einsatz kommen verschiedene Lasersysteme, wobei vorwiegend die Wellenlänge eines Nd:YAG-Lasers genutzt wird.

Wie bei anderen Methoden muss auch hier vorher infiltriert werden. Bei größeren Regionen muss die eigentliche Fettabsaugung in einem weiteren Arbeitsgang erfolgen. Bei kleineren Regionen kann der Organismus das verflüssigte Fett über das Lymphsystem selbst abbauen.

Hautverbrennungen und Kollateralschäden an Gefäßen, Nerven und Lymphbahnen sind höher als bei anderen Methoden, da die Laser-Sonde Fettgewebe nicht von anderen Gewebearten unterscheiden kann. Zu den Besonderheiten dieser Methode gehört auch, dass die Fettmenge, die pro Behandlungstermin entfernt werden kann, beschränkt ist. Bei gewünschter Entfernung größerer Fettdepots sind mehrere Termine nötig.

Deshalb sollte lieber gleich eine andere Liposuktionstechnik gewählt werden. Die Einführung der Laser-Technologie bei der Fettabsaugung dient dem Interesse der Produktionsfirmen und stellt keinen Vorteil für Operateur oder Patient dar.

Zusammenfassende Beurteilung

Jede Methode zeichnet sich durch eigene Vor- und Nachteile aus, wobei keine Methode einen wissenschaftlich belegten Anspruch auf Überlegenheit hinsichtlich des ästhetischen Ergebnisses bzw. der Effektivität erheben kann, allerdings ggf. die Arbeit für den Operateur erleichtern kann. Alle wirklichen Experten in Bezug auf Fettabsaugung sind sich darüber einig, dass nicht die Methode oder das Material die ausschlaggebenden Qualitätskriterien sind, sondern die Erfahrung und Sorgfalt des Operateurs.

Beim Lipödem ist die Liposuktion ein sehr effektives, leitliniengerechtes Verfahren. Zur Qualitätssicherung des Eingriffs sollte dieser von einem erfahrenen Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie durchführt werden. Ein optimales Resultat nach einem komplikationsfreien Behandlungsverlauf setzt eine spezifische manuelle Technik und ein geschultes ästhetisches Auge beim Operateur voraus.